Homosexuell im Kreis Warendorf?
„Ich bin schwul und das ist gut so!“, sagte 2001 Klaus Wowereit, der Oberbürgermeister von Berlin. So selbstverständlich schwul oder lesbisch zu leben geht nur in Großstädten?
Nein, das geht überall! Die Anonymität der Großstädte mag zwar die soziale Kontrolle durch die Mitmenschen verringern, so dass man sich freier fühlen kann. Aber das innere Coming Out, das Für-sich-selbst-erkennen, dass man schwul oder lesbisch ist – und dieses an sich zu akzeptieren – fällt Großstädtern nicht leichter als allen anderen auch.
Um auch in ländlicheren Gegenden den Umgang mit dem Thema Homosexualität zu erleichtern, macht die AIDS-Hilfe Ahlen e.V. ein neues Kontaktangebot, um die Fragen, die euch unter den Nägeln brennen, zu beantworten.
Worum geht es genau?
Es soll hier keine Beratung im eigentlichen Sinn, sondern vielmehr ein Austausch erfolgen.
Christian, einer unserer Ehrenamtlichen, betreut das Angebot. Er kann aus seiner eigenen Erfahrung zum Coming Out berichten und zum Thema Homosexualität generell Stellung nehmen. „Unwissenheit über Schwule und Lesben und die eigene Scheu einfach mal zu fragen, wenn man etwas wissen möchte, erschweren oft den Umgang mit Schwulen und Lesben“, erklärt Christian. Fragen darf und kann jeder offen und direkt per E-Mail an Christian stellen. Bei Bedarf helfen wir von der AIDS-Hilfe Ahlen e.V. und stellen den Kontakt zu schwul-lesbischen Einrichtungen her. Alle E-Mails werden von uns selbstverständlich vertraulich behandelt.
Kontaktieren könnt Ihr Christian per E-Mail an christian@aidshilfe-ahlen.de.
An wen richtet sich dieses Angebot?
Prinzipiell richtet sich dieses Angebot an jeden, der keine professionelle Beratung erwartet.
Das können Schwule und Lesben sein, die gerade in ihrem Coming Out stecken.
Das können Heterosexuelle, z.B. Eltern oder Freunde von Schwulen und Lesben, sein, die einfach ein paar Fragen zur Homosexualität haben.
Und das können auch Einwanderer oder Menschen mit Migrationshintergrund sein, die den offenen Umgang mit Sexualität in dieser Kultur vielleicht anfangs befremdlich empfinden.
Es gibt nicht den Prototyp einer Person, auf den das Angebot hier zugeschnitten ist. Jeder ist dazu eingeladen, die Fragen zu stellen, die er zu diesem Thema hat.
Wer mehr zu Christian wissen möchte...
"Christian, beschreibe dich doch mal kurz."
"Mein Name ist Christian und ich bin in Ahlen geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen. Mit 15 Jahren habe ich mir zum ersten Mal richtig Gedanken gemacht, ob ich
schwul bin und versucht, mehr Gewissheit und Klarheit zu bekommen. Es hat bei mir ungefähr ein Jahr gedauert, bis ich mir sicher war, schwul zu sein, und dann auch angefangen habe, andere Schwule und Lesben in einer Jugendgruppe in Dortmund kennen zu lernen. Anfangs empfand ich schwul zu sein als etwas Verwirrendes, und ich fühlte mich zerrissen, denn ich wollte nicht anders sein als die anderen. Aber ich lernte mit mir selbst umzugehen und mein Schwulsein zu akzeptieren. Mit 16 hatte ich dann nicht nur die Gewissheit, dass es so ist, sondern fühlte mich auch selbstsicher genug, damit offen umzugehen. Also outete ich mich bei meiner Familie, die zwar überrascht war, aber keine richtigen Probleme damit hatte. Im Freundeskreis war es unterschiedlich. Die meisten meiner engen Freunde haben es gut aufgenommen und hatten damit auch kein Problem. Einige wenige sagten zwar auch, dass es für sie kein Problem sei, doch ich spürte schon deren Unbehagen. Sie waren rückblickend betrachtet mit der Situation damals überfordert – es war ja auch für sie etwas Neues und sie wussten nicht wie sie damit umgehen sollten. In der Summe kann ich aber sagen, dass ich viel Toleranz und innerhalb meiner Familie auch viel Akzeptanz erfahren habe. Das hat mich persönlich sehr gestärkt und zu einem selbstbewussten Umgang mit meinem Schwulsein geführt.
Vielleicht noch eine Anmerkung, ich verwende immer viel lieber das Wort „Schwulsein“, da schwul zu sein nicht nur meine sexuelle Orientierung ist, sondern vor allem auch ein
wichtiger Teil meiner Identität und meines Lebens ist."
